Schwimmende Gourmets

Von Katrin Roth, 26. August 2011

Nein, es sind nicht die morgendlichen Trödelorgien des Kindes, die mich bisweilen an meine Grenzen als Muttertier bringen. Sondern Bemerkungen wie diese: „Ich mache es, wenn du es machst.“ Ausgesprochen vor einer unfassbar steilen Wasserrutsche wie im vergangenen Jahr zum Beispiel. (Immerhin: Ich traute mich – im Gegensatz zum Liebsten. Ha!)

Diesen Sommer bekam ich den verhängnisvollen Satz in den Ferien, während eines Tagesaufluges nach Benidorm, zu hören: Beim Eingang zu einem SchönheitsEtablissement, das gemäss Eigenwerbung auf dem Flyer „ disfrute de una experiencia inolvidable con nosotros“, zu deutsch „geniess bei uns ein unvergessliches Erlebnis“ anbietet. Warum ich nur ein halbherziges „logisch mache ich mit, was denkst denn Du“ von mir gab? Weil es sich bei diesem Versprechen für einmal nicht um eine in der Beauty-Branche üblichen Übertreibung handelt: Beim „Foot Spa Nam Nam“ ist der Name nämlich Programm – statt Menschen kümmern sich hier Fische um das Wohl der Füsse. Knabbernderweise. Nam Nam eben.

Das ist in der Tat „truly amazing“, also wahrhaftig erstaunlich, wie es auf der Rückseite des Flyers hiess. Erstaunlich, aber irgendwie auch ziemlich yack, wie ich beim näheren Blick auf die Wasserbecken voller winziger Fische befand!

In Gedanken formulierte ich bereits pädagogisch mehr oder minder wertvolle Sätze, die mir einen ehrenvollen Rücktritt ohne Gesichtsverlust gegenüber dem Kind erlauben sollten („schau mal, da gegenüber gibt es einen Süssigkeiten-Shop! Magst Du Dir etwas aussuchen?“), als eine zierliche junge Frau alle dahingehenden Pläne mit charmantem Lächeln und dem Griff nach unseren Schuhen sabotierte. Angie, so hiess die zuständige Dame vor Ort, interpretierte unser Erscheinen in ihrem Reich (ein zur Strasse offener Raum von der Grösse eines Schrebergarten-Häuschens) ganz offenbar als Wunsch nach einer Behandlung.

Nun galt es, Haltung zu wahren, was unter den gegebenen Umständen nicht einfach war: Draussen eine Horde gaffender Touristen – unter ihnen der Liebste, mit breitem Grinsen und gezückter Kamera; drinnen die liebe Angie sowie das Kind, beide mit erwartungsvoll-fragendem Blick. „Na denn mal los“, sagte ich nach dem Waschen der Füsse unter der Handbrause, und marschierte mit zusammengebissenen Zähnen hinter einer übertrieben fröhlicher Miene zum mir zugewiesenen Wasserbecken.

Das Lächeln flutsche mir allerdings jäh vom Gesicht, als ich die Füsse hineinstreckte und sich sofort der ganze Fisch-Schwarm zwischen meinen Zehen verkeilte und sich meiner Fersen bemächtigte. Nicht etwa, weil es wehgetan hätte, im Gegenteil: Das ganze fühlte sich an wie ein Fussbad mit Brausetablette – ein leichtes Kitzeln, sonst nichts. Aber die Vorstellung, dass ein Lebewesen sich meiner Hornhaut annimmt, indem es mir dieselbe vom Leibe frisst, ekelte mich zutiefst. Dem Gesichtsausdruck des Kindes nach, das mittlerweile neben mir Platz genommen hatte, war ich nicht die einzige vor Ort, der es so ging.

 

Um sie zu abzulenken, erzählte ich ihr, dass diese Art von Fusspflege in Hollywood derzeit der neuste Schrei sei. „Dort haben sowieso alle einen Vogel“, tönte es unbeeindruckt vom Kind. Und weiter meinte es: „Ich finde die normale Pedicure wie es sie in Amerika gibt viel toller, die mit dem Sprudelbecken und so.“ Hat etwas, aber zugeben konnte ich das in diesem Moment natürlich nicht. Stattdessen versuchte ich, mich mit frisch erworbenem Fachwissen zu profilieren: „Auf diesem Flyer steht, dass die Fische hier keine Zähne haben.“ Der Nachwuchs schwieg. Also las ich weiter: „Offenbar produzieren sie beim Absaugen der toten Hautschüppchen ein Enzym, das die Regeneration der Zellen ankurbelt. Spannend, oder?“ Offenbar nicht; das Kind gähnte und griff zu seiner Spielkonsole. Auch gut, dachte ich mir, und bediente mich bei den aufgelegten Klatschheftli.

Eine gefühlte Ewigkeit harrten wir so der Dinge und starrten dabei immer wieder voller Sehnsucht auf den Wecker auf der Theke, dessen Schellen uns befreien würde. Nach 15 Minuten war es so weit: Füsse raus, abtrocknen, Schuhe anziehen, 20 Euro zahlen, ein letztes Bild von Angie machen und dann nichts wie weg.

„Hat es wenigstens etwas gebracht?“, fragte der Liebste beim anschliessenden Abendessen in der Tapas-Bar. Daran hatten wir gar nicht mehr gedacht! Nach einer kurzen Inspektion der Füsse fasst das Kind kurz und bündig zusammen: „Nicht schlecht. Aber auch nicht überragend gut.“

 

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