«Ich wage gerne etwas Neues und habe keine Angst vor dem Scheitern»: Q & A mit Smashbox-Begründer und Max-Factor-Urenkel Davis Factor

Von Katrin Roth, 9. September 2014

 

Smashbox-Davis-Factor-Visual

Normalerweise bin ich nicht sonderlich nervös vor Interviews. Aber als ich unlängst mit Smashbox-Mitbegründer Davis Factor ein Beauty-Date in Los Angeles hatte, machte ich mir fast in die Hosen vor Nervosität. Was unter anderem daran liegt, dass es sich bei Mister Factor um einen ausgesprochen charismatischen Mann handelt, der als Promi-Fotograf jeden Tag die schönsten Frauen der Welt vor der Linse hat und überdies der Ur-Enkel von Kosmetiklegende Max Factor ist.

Vor allem aber war ich schaurig aufgeregt wegen der Tablette, die mir der Liebste knapp vor dem Termin noch aufschwatzte (Jogging ohne Wasserfläschli im hochsommerlichen Los Angeles ist keine gute Idee!): Könnte es sein, dass da in der Hektik eine Verwechslung stattfand und ich statt einer normalen Schmerztablette eine der Schlaftabletten für den Heimflug geschluckt hatte?

Um es vorweg zu nehmen: Die Hysterie war – mal wieder – total unbegründet.

Beschwerdenfrei und putzmunter konnte ich ein lässiges Gespräch führen mit Davis Factor, der sich ausführlich Zeit nahm für mich und zum Schluss gut gelaunt mit lovely Smashbox-Make-up-Artist Lori Taylor (auf sie kommt die Sprache ein anderes Mal in diesem Blog) für ein gemeinsames Erinnerungsfoto posierte.

 

Davis-Factor-with-Lori-Tayloar-and-Katrin-Roth

 

Mister Factor, als Sie 1996 mit ihrem jüngeren Bruder David die Firma Smashbox gegründet haben, arbeiteten Sie bereits als erfolgreicher Fotograf. Wurde Ihnen langweilig dabei oder gibt es andere Gründe für den zweiten Werdegang als Unternehmer?
Langweilig war mir bestimmt nicht, im Gegenteil (lacht), Smashbox ist letztlich die Folge meiner Arbeit als Fotograf.

Wie meinen Sie das?
Es störte mich immer mehr, dass auf dem Markt kein Puder zu finden war, der natürlich wirkt. Egal, welches Produkt wir verwendeten, ich musste immer viel Retusche machen und das nervte mich irgendwann…

.. so, dass Sie die Sache selbst in die Hand nahmen und eine eigene Make-up-Linie ins Leben riefen.
Richtig, mir ging es zunächst nur um meine eigenen Bedürfnisse. Wir fingen also an mit Produkten für unseren persönlichen Bedarf und als wir das Potential erkannten, lancierten wir die Linie für die Öffentlichkeit.

War es von Vorteil, dass Sie aus einer Kosmetikindustrie kommen?
Sie spielen an auf meinen Urgrossvater…

… den legendären Max Factor.
Ja, er gilt als Begründer der modernen Kosmetik und hat er das Wort „Makeup“ erfunden. Mein Grossvater hat sein Lebenswerk als Vorstandsvorsitzender fortgeführt und auch wenn die Firma in den 90er Jahren an Procter and Gamble verkauft wurde, kenne ich die Branche sehr gut. Meinen Eltern aber war es wichtig, dass wir nicht mit dem goldenen Löffel im Mund aufwachsen, sie bestanden auf eine gute Ausbildung und als Jugendlicher verdiente ich mein Taschengeld mit Schüler-Jobs.

Können Sie sich noch an ihren ersten Job überhaupt erinnern?
Aber natürlich, und ob. Ich war 16 Jahre alt und lieferte Medikamente aus an ältere Menschen, die nicht mehr aus dem Haus kamen. Der grösste Teil meiner Arbeit bestand darin, mit den Kunden zu plaudern, für die es oft der Höhepunkt des Tages war, wenn ich sie besuchte. Ich realisierte in dieser Zeit, wie man den Leuten mit kleinen Gesten viel Freude machen kann. Es war ein guter Ausgleich zur Glamour-Welt der Kosmetik, in der ich aufwuchs. Ausserdem lernte ich bei dieser Gelegenheit den Wert von harter Arbeit zu schätzen. Das erlebt man nur, wenn man sein eigenes Geld verdient…

… um sich davon zum Beispiel eine teure Fotoausrüstung zu kaufen?
So ist es. Als 13-jähriger bekam ich meine erste Kamera, mit der ich alle und alles fotografierte, am liebsten natürlich meine Freundinnen. Es war ganz klar, dass ich nach der Schule als Fotograf arbeiten würde und so zog es mich zuerst nach Paris und dann nach New York. Irgendwann aber wollte ich zurück in die Heimat und weil es hier in Los Angeles keine Studios gab, kaufte ich mit meinem Bruder ein Grundstück in Culver City, wo wir ein eigenes Fotostudio bauten: die Smashbox-Studios.

Wieso gerade in Culver City?
Zunächst, weil es hier günstiges Land gab. Es ist nahe vom Flughafen und auch die Promis aus Beverly Hills oder die Filmstars aus Bel Air müssen nicht weit fahren zu uns. Entsprechend begehrt waren die Studios auch bei anderen Fotografen, die hier Shootings machten, Michel Comte zum Beispiel oder Annie Leibowitz und natürlich Helmut Newton, als er noch lebte. Damals, vor über 20 Jahren, waren wir die ersten hier in der Gegend, heute hat sich daraus eine richtig kreative Ecke von Los Angeles entwickelt mit spannenden Firmen wie Youtube, Beat oder Google in der Nachbarschaft. I love it, es ist wie eine einzige Party hier!

A propos: Welches war die beste Party, die Sie je besucht haben?
Das sind so viele, da kann ich mich nicht auf einen einzigen Anlass beschränken, sorry. In diesem Jahr war es ganz klar das Musikfestival Coachella, die Stimmung ist genial dort und man trifft unglaublich viele Prominente an.

Sie selbst haben ja auch öfters zu tun mit Menschen, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Wer war der lustigste Promi, den Sie je fotografiert haben?
Jim Carrey! Dieser Mann ist im echten Leben noch viel witziger als in seinen Filmen, er bringt mich zum Lachen wie sonst kaum jemand.

Und wen hätten Sie gerne vor der Linse, den Sie noch nie fotografierten?
Barak und Michelle Obama, das wäre grandios. Ich finde, er ist der beste Präsident, den wir je hatten, da können seine Kritiker sagen, was sie wollen. Wir leben in einem privilegierten Land und haben ihm viel zu verdanken, ich bin ein Fan. Und ich hoffe, dass Hillary seine Nachfolge antreten wird, sie ist auch wunderbar.

Welchen Beruf würden Sie heute machen, wenn Sie nicht in der Fotografie gelandet wären?
(denkt nach). Ich würde als erfolgreicher Basketball-Spieler bei der NBA spielen (lacht). Nein, just kidding, das ist ein Wunschtraum, ich mache viel Sport und interessiere mich leidenschaftlich für alles, was damit zu tun hat. Aber um auf Ihre Frage zurück zu kommen, ich bin viel mehr als nur Fotograf und entsprechend habe ich bereits jetzt schon mehrere Berufe.

Wie meine Sie das?
Ich sehe die Fotografie als Weg, wie eine Strasse, die mich dahin führte, wo ich jetzt bin: Ein Unternehmer, ein Networker, ein Fotograf. Manche sagen auch, ich sei ein Mogul.

Zu recht?
Ja, das kann man so sehen. Ich bin eine Art Patriarch, denn auch wenn die Firma gewachsen ist, sind wir noch immer wie eine grosse Familie. Wir stehen alle unter enormem Druck, das schweisst zusammen, und gleichzeitig haben wir immer eine gute Zeit miteinander. Genau das liebe ich an meinem Beruf: Verantwortung zu tragen und das Beste aus den Menschen herausholen. Wer bei uns einen Job hat, dem stehen alle Türen offen.

Können Sie ein Beispiel nennen dafür?
Eine unserer früheren Rezeptionistinnen etwa arbeitet heute in der Produkteentwicklung, wir haben ihr Potential erkannt und zack, schon war sie versetzt. Ich denke, das macht Smashbox so einzigartig.

Was macht Sie persönlich als Mensch einzigartig?
Schwierig zu sagen. Vermutlich die Tatsache, dass ich nicht nur über meine Ideen rede, sondern sie auch umsetze. Ich wage gerne etwas Neues, gehe dabei auch mal ein Risiko ein, denn mir macht es keine Angst, zu scheitern.

Von Scheitern kann nicht die Rede sein, Sie sind ein gefragter Mann mit einem vollen Terminkalender. Können Sie uns einen typischen Tag in ihrem Leben beschreiben?
Das ist immer ein wenig anders, es gibt keine Routine, wie Sie sich denken können. Was mir aber auffällt, ist, dass ich auf’s Alter hin vom Nacht- zum Tagmenschen werde. Im Idealfall beginnt mein Tag ziemlich früh mit einem reichhaltigen Frühstück – viele Proteine, das ist wichtig – und dann gehe ich gegen 6.30 Uhr an den Strand zum Surfen, bevor um 10 Uhr das Berufsleben anfängt, sei es mit einem Fotoshooting, mit einem Geschäftsmeeting oder wie jetzt mit einem Interview. Ein wichtiger Teil meines Jobs ist auch das Zusammenführen von Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, Sie könnten gemeinsam ein Projekt entwickeln.

Welcher Mensch steht Ihnen privat am nächsten?
Das ist ganz klar mein Patenkind. Sie ist acht Jahre alt und sie hat mir beigebracht, was reine und unbedingte Liebe ist. Mit ihr habe ich eine Verbindung wie sonst zu niemandem.

 

Smashbox-Davis-in-Action

 

Die Produkte von Smashbox, übrigens, gibt es in der Schweiz exklusiv bei Marionnaud oder online unter www.marionnaud.ch. Eines der besten Produkte ist der Lidschattenprimer, über den Beauty BFF Steffi Hidber auf ihrem famosen Blog Hey Pretty unlängst ausführlich berichtet hat.

 

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