«Auch wenn keine Crème dieser Welt den natürlichen Alterungsprozess aufhalten kann, sollten Sie sich gut pflegen»: Q & A mit Haut-Expertin Dr Liv

Von Katrin Roth, 15. Juli 2015

Dr-Liv

 

Sie gilt als eine der führenden Spezialistinnen für ästhetische und präventive Dermatologie, die in ihrer Klinik im Herzen von Zürich auch viele Promis behandelt. Vor allem aber ist Dr Liv Krämer ein echter Schnügger, wie ich während unseres Gespräches in ihrer Klinik im Herzen von Zürich feststellen durfte, wo wir über Anti-Aging, die Grenzen der Kosmetik, die Wichtigkeit von Sonnenschutz – und Botox geplaudert haben.

 

Dr-Liv-Ilovebotox
Der Werbeslogan ihrer Hautklinik lautet «So lange wie möglich gut aussehen – in jedem Alter». Was machen Sie persönlich, um dieses Ziel zu erreichen?
Da gibt es einiges (lacht). Sonnenschutz ist mir ein grosses Anliegen, denn die UV-Strahlen verursachen nicht nur Hautkrebs, sondern sind auch echte Schönheitskiller. Frei nach dem Motto „Nur wenn man die Taschenlampe braucht, kann man auf Sonnencrème verzichten“ verwende ich darum jeden Tag Sonnenschutzmittel, egal ob die Sonne scheint oder nicht. Ausserdem spritze ich mir in vorsorglich Botox und Filler ins Gesicht, weil ich weder Zornes- noch Nasolabialfalten brauche in meinem Leben.

Vorbeugen ist also ein grosses Thema für Sie. Viele Frauen allerdings setzen sich erst mit dem Thema Anti-Aging auseinander, wenn erste Fältchen oder Flecken auftauchen…
… was ich schade finde, denn je früher man anfängt mit der Prävention, umso länger kann man solche Anzeichen des Alters herauszögern. Der Aufwand ist viel geringer und weniger umständlich als rückwirkende Korrekturen vorzunehmen. Darum empfehle ich all meinen Kunden, schon ab der Pubertät, die Haut mit den passenden Produkten zu pflegen.

Genau hier liegt aber oft das Problem, denn das riesige Angebot in den Parfümerieabteilungen überfordert viele von uns. Haben Sie einen Tipp, nach welchen Kriterien man die Pflege für seine Haut auswählen sollte?
Ich stelle immer wieder fest, dass die meisten meiner Patienten ganz intuitiv spüren, welche Produkte ihrer Haut besonders gut tun. Hören Sie also auf Ihr Bauchgefühl und testen Sie sich so lange durch das Angebot, bis Sie zufrieden sind. Dabei müssen Sie nicht unbedingt alle Produkte aus der gleichen Linie verwenden und auch der Preis ist nur einer von mehreren Indikatoren. Die Reinigungscrème von I am aus der Migros zum Beispiel empfehle ich vor allem meinen jüngeren Patienten genau so gerne wie die La Roche Effaclar Crème oder die Nivea Feuchtigkeits-Tagescrème oder der «Hautstrahler» von Garnier, um hier nur ein paar Beispiele zu nennen.

Sie reden von mehreren Produkten zur Hautpflege. Welches sind die absoluten Must-Haves, auf die niemand verzichten sollte?
Als Grundlage brauchen Sie eine gute Basiscrème, welche die Haut nährt ohne sie zu beschweren. Ergänzend dazu rate ich zu einem Spezialprodukt, das auf Ihre persönlichen Haut-Bedürfnisse abgestimmt ist wie etwa Blemish and Age von Skinceutical für die unreine Haut von Erwachsenen. Sonnenschutz ist ebenfalls ein Must, darüber haben wir ja bereits gesprochen und auch die tägliche Gesichtsreinigung gehört für mich zum Beauty-Pflichtprogramm.

Ist es möglich, mit der richtigen Pflege die optischen Auswirkungen des Alters zu mindern oder sogar zu verzögern?
Ja, wenn auch unter gewissen Einschränkungen.

Wie meinen Sie das?
Es gibt Inhaltsstoffe, die nachweislich gewisse Auswirkungen des Alters verzögern, aber keine Crème auf dieser Welt kann den natürlichen Alterungsprozess aufhalten.

Welche Versprechungen einer Hautpflege sind demnach realistisch – und welche nicht?
Gemäss EU Gesetzgebung dürfen kosmetische Produkte bei uns nicht korrektiv, sondern nur vorbeugend wirken. Deswegen sollten Sie aber nicht all Ihre Tuben entsorgen, im Gegenteil: Dank regelmässiger Pflege bleibt Ihre Haut schön in Form und Sie werden entsprechend erst später mit den Folgen des Alters konfrontiert. Man kann also auch viel tun, ohne etwas zu spritzen.

Heisst das im Umkehrschluss, dass Crèmes allein irgendwann nicht mehr ausreichen?
Wir reden hier von einer Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Je nach Anspruch braucht es für eine jugendliche Austrahlung mehr als nur eine gute Hautpflege. Wichtig ist das richtige Timing, denn wer erst mit 60 eine medizinische Behandlung in Betrachtung zieht, braucht die Unterstützung eines plastischen Chirurgen und hat entsprechend mehr Aufwand als jemand mit 30 Jahren, der sich beim Dermatologen behandeln lässt.

Würden Sie für sich selbst einen operativen Eingriff in Erwägung ziehen?
Ja, ganz klar. Aktuell bin ich zufrieden, aber mir ist bewusst, dass es Grenzen gibt bei der Dermatalogie, die man nicht überschreiten sollte, weil das Gesicht sonst aufgeblasen aussieht. Operationen wie etwa ein Facelifting wirken ab einem gewissen Punkt darum viel natürlicher als non-invasive Eingriffe.

Welche Trends zeichnen sich ab im Bereich der ästhetischen Medizin?
Das heutige Schönheitsideal ist viel natürlicher als noch vor wenigen Jahren, die Patienten wollen nach einem Eingriff nicht jünger aussehen, sondern frischer und ausgeruht. Wenn man es nicht sieht, ist es perfekt gemacht. Darum schicke ich auch immer wieder Patienten weg.

Wirklich?
Aber natürlich! Gerade im Bereich von Fillern und Botox zahlt sich Zurückhaltung aus, selbst wenn man selbst vielleicht das Gefühl hat, es sei schon wieder eine neue Behandlung nötig. Solche Eingriffe mache ich nicht, schliesslich sind meine Patienten meine Visitenkarte.
Auf Twitter empfahlen Sie unlängst Yoga und postive Gedanken zur Vermeidung von gestresster Haut und Pickeln. Welche Faktoren beeinflussen neben einer guten Pflege sonst noch das Erscheinungsbild der Haut?
Die Haut gilt zu recht als Spiegel der Seele. Ein ausgeglichener Mensch hat darum automatisch die bessere Haut als jemand, der ständig unter Strom steht. Ebenfalls schlecht für die Haut sind Zigaretten, zu viel Alkohol, zu wenig Schlaf sowie eine unausgeglichene Ernährung.

Inwiefern spielt die Veranlagung eine Rolle?
Wir wissen aus Studien, dass unsere Haut zu 20 Prozent genetisch und zu 80 Prozent durch äussere Faktoren wie oben geprägt wird. Insofern können wir viel für unsere Haut tun.

Schönheit ist Ihre Mission. Was verstehen Sie darunter?
Beauty steckt in jedem Menschen, man muss es nur richtig zeigen. Ein schöner Mensch ist für mich nicht makellos, sondern jemand, der das Beste macht aus dem, was er hat.

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