«Unser Erfolgsgeheimnis? Wir versprechen nur das, was wir auch immer halten können»: Q & A mit Clarisonic-Mitbegründer Dr. Robb

Von Katrin Roth, 25. August 2015

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Zuerst war ich echli traurig über die kurzfristige Absage jenes Mannes, für den ich schon seit längerem schwärme. Rein platonisch natürlich, so wie man als Beauty-Journalistin halt schwärmt für jenen Mann, der zum Erfinderteam der legendären Reinigungsbürste Clarisonic gehört.

Aber spätestens beim Lesen des Briefes, den Dr. Robb für mich bei meinem Besuch im Clarisonic Hauptquartier in der Nähe von Seattle hinterlegt hatte, legte sich die Enttäuschung…

 

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… und als ich beim Rundgang durch die Produktionshalle meine eigene Reinigungsbürste herstellen durfte, fehlte mir schlicht die Energie, um mich noch länger im Selbstmitleid zu suhlen, da es sich hier um eine für einen feinmotorischen Superstürchel wie mich ziemlich knifflige Aufgabe handelt (kleiner Tipps: Schau gut auf das Bild mit dem Pfeil, ich komme am Schluss nochmals darauf zurück).

 

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Clarisonic-fertig

 

Rund 30 Minuten und damit fast zehn Mal länger als die Profis vor Ort brauchte ich für das Zusammensetzen meiner Clarisonic Mia2, bevor es weiter ging mit der Führung durch die übrigen Räumlichkeiten des Clarisonic Hauptquartiers, wo es dann doch noch zu einer Art Treffen kam mit meinem Helden, den ich in Form eines Wackelkopfes im Vorzimmer des Dermatologie-Zentrums als Wackelkopf das Pult der Empfangsdame entdeckte: Ein Anblick, der mich zu einem fast schon hysterischen Kreischanfall veranlasste («oh my god, how cute is this? I just love this wobblehead!») – und meinen infantilen Schmollanfall endgültig beendete.

 

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Mittlerweile komplett versöhnt mit dem Schicksal und einfach nur noch dankbar für ein weiteres, wunderbares Beauty-Abenteuer verliess ich nach einem halben Tag das Clarisonic Hauptquartier, aus dem mir bereits 48 Stunden später Dr. Robb per Mail all meine Fragen beantwortete, so dass ich doch noch zu meinem Interview kam. Nicht im direkten Gespräch zwar – aber derart spannend, persönlich, ausführlich und lustig, dass ich wild entschlossen bin, mein Glück bald wieder nochmals zu versuchen.

 
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Hand auf’s Herz: Wie lange brauchen Sie am Morgen im Bad?
Das geht blitzschnell – ich reinige die Haut mit Clarisonic unter der Dusche, trage eine Feuchtigkeitspflege und manchmal noch einen Sonnenschutz auf und das war’s auch schon.

Inwiefern hat sich durch Clarisonic ihre persönliche Beauty-Routine verändert?
Vorher war ich ein typischer Durchschnitts-Mann, der ausser Seife für das Gesicht kaum Produkte zur Hautpflege verwendete. Nach den ersten Anwendungen mit Clarisonic sah und spürte ich einen riesigen Unterschied auf der Haut und seither kann ich mir das Leben ohne dieses Gerät nicht mehr vorstellen…

… was insofern verständlich ist, weil Sie dieser Erfindung Ihren Erfolg zu verdanken haben. Angefangen hat Ihre berufliche Laufbahn aber als Regalauffüller und Verkäufer in der Damenschuh-Abteilung eines grossen Kaufhauses.

… wo ich viel gelernt habe.

Über den Umgang mit Frauen?
Nein, ich meine das vor allem in Bezug auf die Abläufe im Verkauf. Ich habe dort viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, von denen ich später als Mitbegründer von Clarisonic profitieren konnte.

Zwischen dem Start ins Berufsleben als Schuhverkäufer und ihrer Karriere in der Beauty-Branche waren sie während vielen Jahren als Mediziner tätig. Wie kam es dazu?
Ich wollte immer so sein wie Jacques Cousteau – ein Forscher, Autor und Meeresbiologe. Mein Plan sah vor, dass ich mit Delfinen spiele und die Unterwasserwelt auskundschaftete. Aber weil es ziemlich schwer ist, auf diesem Gebiet einen Job zu finden, entschloss ich mich stattdessen zu einer Ausbildung in der medizinischen Forschung, wo ich viel mehr berufliche Möglichkeiten hatte und geistig herausgefordert wurde auf höchstem Niveau.

Hatten Sie eine Vorstellung, wohin ihre Karriere Sie führen würde?
Nicht die geringste, ich wollte ja wie gesagt Meeresbiologe werden und jetzt bin ich nach Stationen über Zahngesundheit und Aids-Forschung bei Clarisonic gelandet. Was sich aber durch meine gesamte berufliche Laufbahn immer wie ein roter Faden zog, war meine Einstellung: Wenn es irgendwo ein Problem gibt, möchte ich die Antwort dazu finden.

Zusammen mit David Guiliani und Ken Pilcher haben sie unter dem Naben Sonicare eine neue Technik für elektrische Zahnbürsten entwickelt, die später an Philips verkauft wurde. Sie wechselten mit ihren Weggefährten die Branche und  entwickelten gemeinsam eine Reinigungsbürste mit der gleichen Technologie. Was hat sie zur Erfindung von Clarisonic angetrieben? Sie haben doch sicher viel Geld bekommen von Philips und hätten ganz gemütlich den vorzeitigen Ruhestand auf dem Golfplatz geniessen können.

Schön wär’s. Als führender Wissenschaftler im wissenschaftlichen Team, das Sonicare entwickelte, hielt sich mein finanzieller Gewinn in Grenzen nach dem Verkauf an Philips. Ich musste also weiterhin Geld verdienen und ging zurück in die Aids Forschung, bevor ich mit meinen beiden Partnern und anderen Mitbegründern jenes Gerät erfand, das letztlich zu Clarisonic wurde…

… und das Sie zu einer Art Rockstar in der Beauty-Szene machte. Wie fühlt sich das an?
Absolut fantastisch! Unsere Absicht war die Entwicklung eines Gerätes, das einen echten Unterschied bewirkt auf der Haut und ich denke, das haben wir erreicht. Ich bekomme so viele Rückmeldungen von Kunden, die mir sagen, dass Clarisonic ihr Leben verändert hat und das ist ein unglaublich gutes Gefühl.

Gab es ein Kompliment, das Sie besonders berührt hat?
Ich könnte ein Buch schreiben mit allen Feedbacks, die mich gefreut haben. Am besten auf den Punkt aber bringt es die Geschichte einer Kundin, die mir erzählte, wie sich ihre eigene Haut verbessert habe durch Clarisonic und wie ihr Sohn neues Selbstbewusstsein gewonnen habe durch unser Gerät, weil er keine Akne mehr habe. Beim Abschied habe sie ganz spontan in den Arm genommen und da fing sie an zu weinen. In diesem Moment wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, was unsere Erfindung alles bewirken kann und ich war tief bewegt.

Zum emotionalen Erfolg kam ja auch schon früh der kommerzielle Durchbruch von Clarisonic. Wann war Ihnen bewusst, dass Sie einen Bestseller lanciert hatten?
Nachdem Oprah Winfrey unser Gerät in die Kamera hielt und sagte «dieses Ding verkleinert grosse Poren». 24 Stunden später waren wir komplett ausverkauft.

Haben Sie sich damals zur Feier des Tages etwas Spezielles gegönnt?
Nein, denn als Unternehmer darf man sich nicht auf gute Verkaufszahlen verlassen und ist darum stets auf der Hut. Erst als wir die Firma an L’ Oréal verkauft haben, war ich in der Lage, so richtig auszuspannen. In dieser Nacht schlief ich besser als in meinem ganzen Leben zuvor.

Exsistenzängste haben Sie nun keine mehr, zur Ruhe gekommen sind Sie aber immer noch nicht, denn als Mastermind von Clarisonic sind Sie nach wie vor voll eingespannt. Gibt es etwas, für das Sie gerne mehr Zeit hätten?
Ja, zum Rennen. Früher joggte ich jeden Tag zwischen fünf und zehn Kilometern und nun sind schon sieben Jahre vergangen, seit ich meine Laufschuhe das letzte Mal angezogen habe. Das ist schade.

Dafür haben Sie in dieser Zeit wie Sie selbst sagen vielen Menschen geholfen mit Ihren Erfindungen. Eine Ihrer Aufgaben am Anfang war das Testen der Prototypen – als einziger aus dem Team. Wie kam es dazu?
Ja, ich war das Versuchskaninchen und das war zum Teil ganz schön schmerzhaft, das können Sie mir glauben. Wir haben überall getestet, im Gesicht und, weil ich eine Glatze habe, sogar auf meinem Kopf. Die anderen haben es wohl mit der Angst zu tun bekommen und das Probieren mir überlassen.

Sie mussten also im wahrsten Sinne des Wortes ihren Kopf hinhalten…
… während der ganzen Entwicklungszeit, das stimmt. Abgesehen von mir gab es aber auch noch eine Expertinnengruppe aus fünf Spa-Besitzerinnen, denen wir die einzelnen Clarisonic-Modelle zum Testen gaben und die wir anschliessend um ihre Meinung baten. Die Kommentare waren zum Teil ziemlich vernichtend, aber irgendwann kam der Augenblick, an dem die Damen uns den Prototypen nicht mehr zurück geben wollten, weil sie so begeistert waren. Da war uns klar: jetzt haben wir es geschafft.

Was denken Sie, ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Bei Clarisonic versprechen wir immer nur das, was wir auch einhalten können. Gerade in der Beauty-Branche ist das doch eher selten.

Gibt es noch Produkte, die Ihrer Meinung nach unbedingt erfunden werden sollten – vielleicht sogar von Ihnen?
Ich habe viele Ideen im Kopf und auch schon einige Produkte in der Pipeline, aber der Unternehmer in mir verbietet mir, über ungelegte Eier zu reden. So viel sei aber jetzt schon verraten: Sie können sich in den nächsten Monaten auf ein paar aufregende Neuigkeiten* von Clarisonic freuen!

 

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*zum Beispiel, pssst!, die superhärzige Weihnachts-Edition von Clarisonic im Keith-Haring Design, die Du auf dem Bild mit dem Pfeil oben siehst. Ist eigentlich noch top secret, aber Dir verrate ich es trotzdem schon, hihi!

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