Make-up Shaming: Muss das wirklich sein?

Von Natalie Hemengül, 8. März 2017


Heute möchte ich mich mal einem etwas “ernsteren” Beauty-Thema widmen, nämlich dem neusten Negativ-Trend aus den Sozialen Medien: Make-up Shaming. Make-up verbindet. Und das nicht zu knapp würde ich behaupten. Besonders in den vergangen drei Jahren haben Social Media Gurus und Indie Make-up Brands die Beauty Landschaft ordentlich aufgemischt. Positive Konsequenz: Eine extrem coole Community wurde geschaffen. Eine Community für all jene Beauty-Junkies, die auch mal über sich selbst lachen können – mich mit eingeschlossen. Wir leben in einer rosa Welt, in der das Verblenden des Lidschattens das Cardio-Training ersetzt und das Tragen einer Sonnenbrille ein Muss ist, damit man beim Blick in den Spiegel nicht vom grosszügig aufgetragenen Highlighter geblendet wird. Aber auch bei uns hört der Spass irgendwo mal auf. Um genau zu sein dort, wo die Beleidigungen anfangen.

Der Begriff Make-up Shaming zeigt sich ironischerweise in vielen bunten Facetten: Mal wird man gemobbt, weil man zu viel Make-up trägt, mal weil man keines trägt und mal, weil man zu einer Farbe gegriffen hat, die weniger häufig im Alltag gesichtet wird. Hasskommentare sind ja nun wirklich nichts Neues mehr in unserem allzu digitalen Zeitalter und ja, jeder, der sich und seine Persönlichkeit auf Social Media in irgendeiner Form präsentiert, muss damit rechnen, die eine oder andere negative Bemerkung einzustecken. Legitimiert das aber verletzende Kommentare? Absolut nicht. Witzig ist auch, dass viele Leute auch offline, sprich auf der Strasse keine Probleme haben, sich laut, deutlich und negativ über meine violetten Wimpern auszulassen.

Darf’s auch mal ein blauer sein? Also, Lippenstift meine ich.

Blauer Lippenstift tagsüber? Manche würden ihn nicht mal in der finstersten Nacht an mir tolerieren. Was wurde eigentlich aus dem Lebenscredo “Leben und leben lassen”? Und wenn das nun mal meine Art ist, mich kreativ auszuleben, dann sollte mir dieses Ventil doch frei zustehen. Oder nicht? Schliesslich tue ich damit ja niemandem weh. Ich vermute kaum, dass jemals jemand Picasso auf die Schulter geklopft und gesagt hat: „Hey Alter, benutz mal ein bisschen weniger Farbe, sieht ja voll zugekleistert aus“.

Klar, es ist alles Geschmackssache und auch mir gefällt der eine oder andere Look nicht besonders gut. Aber es würde mir niemals in den Sinn kommen, einen verletzenden Kommentar zu schreiben oder mündlich abzugeben. Einfach weil ich völlig davon überzeugt bin, jeder sollte selbst entscheiden können, ob er oder sie den blauen Lippenstift auch mal tagsüber trägt.

So, das wollte ich mir einfach mal von der Seele schreiben. Mich würde mal interessieren, ob ihr auch schon den einen oder anderen Spruch erdulden musstet. Fände es sehr spannend, wenn ihr eure online / offline Story mit mir teilen würdet 🙂

Foto: iStock (stock_colors)

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