Wie der Epilierer und ich doch noch irgendwie Freunde wurden

Von Natalie Hemengül, 3. Juli 2017


Vor nicht allzu langer Zeit habe ich euch in diesem Artikel hier angedeutet, dass die Beziehung, die mein Epiliergerät und ich zu pflegen hegen, eher von misstrauischer Natur ist. Das Teil hauste nämlich geschlagene zwei Jahre bei mir in den Tiefen meiner Schublade und kam erst gerade kürzlich nach Langem wieder in den Genuss von Sonnenlicht und haarigen Stelzen.

Ich greife da aber etwas vor.

Was zuvor geschah:

Das Wetter war schön, die Beinhaare länger als für eine Beauty Bloggerin vertretbar und deshalb auch meine Kaltwachsstreifen bereits ausgepackt auf dem Tisch. So verbrachte ich den Nachmittag damit, meine Beine sommertauglich zu bekommen und mir die unerwünschten Haare zumindest für mehr als zwei Tage vom Leib zu halten. Einige schmerzverzerrte Fratzen später konnte ich stolz behaupten, dass ich 80% meines Winterfells erfolgreich zum Teufel geschickt hatte. Ein bisschen Mathe später wurde mir aber klar, dass das heisst, dass 20% immer noch anwesend waren. Mein Gedanke: Okay, offenbar greift hier das Kaltwachs nicht ganz so gut, deshalb muss eine andere Lösung her! Unwillkürlich dachte ich an meinen Epilierer. „Nein, auf keinen Fall!“, versuchte ich meinen Gedankenfluss abrupt in eine weniger Angst einflössende Richtung zu lenken. Was ich jahrelang erfolgreich vermieden hatte, konnte nicht jetzt plötzlich zu einer Option werden. Gerade als ich mich schon auf den Weg ins Bad machen wollte – schliesslich wartete dort mein treuer Einwegrasierer auf mich – entschied ich mich kein Feigling zu sein. Schliesslich stand es mir ja frei, die Mission jederzeit abzubrechen.

Da stand ich also nun, Angesicht zu Angesicht mit dem Grauen der Körperpflege. Ich schaltete das Gerät ein und ganz ehrlich: Allein schon das Geräusch jagte mir einen kalten Schauer den Rücken hinunter. Aber ich, wie gesagt, ich wollte einmal die Starke raushängen lassen. Also setzte ich an den ungemähten Stellen an und siehe da: Schmerz oh ja, ABER da viel weniger Härchen vorhanden waren, hielt sich der in Grenzen. Und tatsächlich konnte ich so ALLE übrigen Härchen noch entfernen. Und wenn nun alle paar Tage, sich wieder vereinzelte Härchen die Ehre geben, greife ich einfach zum Epiliergerät und beende die Party. Dasselbe Spiel übrigens auch unter meinen Armen. Komischerweise gewöhnt man sich irgendwann auch an den Schmerz.

Da war noch was …

Kleine Zusatzinfo für all jene, die sich bisher weder das Epiliergerät noch das Wachs angetan haben: Die beiden sind schmerztechnisch nicht zu vergleichen. Ersteres ist brutal und Folter pur, da man bei jedem einzelne Härchen genau spürt, wie es entwurzelt wird. Ein wildes, unkontrolliertes Piksen also. Zweiteres ist humaner: Zwar sind es viele Haare aufs Mal und der Schmerz summiert sich, aber genau deshalb ist er ertragbarer. Der Schmerz lässt sich nämlich nicht punktuell ausmachen, sondern klingt reltiv schnell grossflächig mit einem Surren aus.

Was lernen wir daraus? Das Epiliergerät ist gerade für Einsteiger am besten in Kombination mit Kaltwachs zu geniessen. Du musst ihm nur eine Chance geben.
Foto: iStock (MilanMarkovic)

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