Die ungeschminkte Wahrheit

Von Katrin Roth, 19. November 2011

Irgendwann zu Beginn dieses Jahres muss mir jemand von einer gewissen Azita Daneshfar erzählt haben, einer Dermatologin und Hautpflegexpertin mit Praxen in Zürich (St. Peterhofstatt 12) und Stäfa (Spittelstrasse 4) sowie einer eigenen Produktelinie. Offenbar war ich von dieser Schilderung derart begeistert, dass ich mich entschieden habe, der Sache nachzugehen. Anders kann ich mir die folgende Notiz auf meinem iPhone, die ich eben wieder entdeckt habe, nicht erklären: «Skindoktor: Dr. Daneshfar – unbedingt recherchieren!»

 

Mittlerweile weiss ich, wer Dr. Daneshfar ist: Beauty-Kollegin Ivonne hat mir ein Interview mit der Anti-Aging Spezialistin vermittelt. Da wir keinen passenden Termin fanden, habe ich der Ärztin meine Fragen per Mail gesendet – etwas, das ich eigentlich nur ungern mache, da erfahrungsgemäss in solchen Fällen meist PR-lastige Standard-Antworten zurückkommen. Nicht so bei Azita Daneshfar, die mich mit erfrischend ehrlichen Aussagen positiv überrascht hat.

Anbei kann sich jeder selbst ein Bild machen davon.

 

 

Azita Daneshfar, Sie sind eine ausgewiesene Expertin in Sachen Hautverjüngung und Faltenbehandlung. Was spricht denn eigentlich gegen Falten?

Lassen Sie mich Ihre Frage zunächst mit Gegenfragen beantworten: Was spricht gegen vergilbte Zähne? Oder Haarausfall? Oder Warzen im Gesicht? – Prinzipiell spricht nichts gegen Falten. Es ist jedoch meines Erachtens eine legitime Entscheidung, die Falten, die individuell stören, zu beseitigen, um sich jung, frisch oder attraktiver zu fühlen.

Sie bieten unterschiedliche Behandlungen an: Botox, Mikrodermabrasion, Chemical Peeling, Lasertherapie und so weiter. Warum so viele?

Dies ermöglicht es mir, aus einer Auswahl die beste Methode für den individuellen Fall auszulesen.

Es ist oft die Rede von «sanften Eingriffen», bloss, weil keine Operation stattfindet. Dennoch: Wo liegen die Risiken bei diesen nicht-invasiven Eingriffen?

Die Risiken bei nicht-invasiven Eingriffen hängen von der Behandlungsmethode sowie von der Erfahrung des Arztes ab. Diese können ästhetischer, aber auch gesundheitlicher Natur sein und sollten daher dazu führen, bei der Arzt- sowie Behandlungswahl grosse Sorgfalt anzuwenden.

Es heisst, Sie testen alle Behandlungen an sich selbst. Braucht das Mut, Überwindung?

Nein, es braucht vor allem Überzeugung. Das Vertrauen in meine eigenen Hände und in die Produkte, die ich verwende, führt dazu, dass ich alle Behandlungen an mir selbst teste, ohne dass es mich Mut oder Überwindung kostet.

Haben Sie sich nach einem solchen Test auch schon entschieden, eine Behandlung doch nicht anzubieten?

Ich bin sehr vorsichtig in der Auswahl der Behandlungsmethoden und – produkte. Es ist jedoch vorgekommen, dass ich gewisse chemische Peelings aufgrund fehlender Effizienz abgelehnt habe.

Wenn Sie jemanden neu kennen lernen, schauen Sie dann sein oder ihr Gesicht an und machen in Gedanken erste Korrekturen? Oder sind Sie in der Freizeit nur Privatperson und keine Ärztin?

Es ist mir unmöglich, eine Grenze zwischen Beruf und Freizeit zu ziehen. Daher ‚scanne’ ich in der Regel jedes Gesicht genau und sehe ästhetische Optimierungsmöglichkeiten. Das ist vergleichbar mit einem Coiffeur, der in seiner Freizeit Frisuren begutachtet, ein Zahnarzt, der, wenn Sie sprechen, Ihre Zähne betrachtet oder eine Psychologin, die genau Ihre Mimik und Gestik beobachtet und interpretiert.

Als Kind litten Sie unter Neurodermitis. Ist das der Grund, warum Sie Hautärztin werden wollten?

Ja. Mein ausgeprägtes Leiden als Neurodermitis-Kind war der Grund für mich, Hautärztin zu werden, um Menschen mit Hautkrankheiten zu helfen.

Wie kam es, dass Sie schliesslich in der Beauty-Branche tätig wurden?

Das war reiner Zufall. Während meiner Universitätskarriere als Dermatologin wurde ich von einer renommierten Privatklinik abgeworben, um dort als Hautärztin zu arbeiten. Dort kamen immer mehr Anfragen zur ästhetischen Optimierung der Haut, sei es in Form von medizinisch-ästhetischen Behandlungen oder in Form von Beratungen zur Hautpflege.

Sie sind nicht nur als Ärztin tätig, sondern haben auch Ihre eigene Pflegelinie «Mesoformula» (gibt es ab ca. 260 Franken unter anderem bei der Parfümerie Oswald in Zürich) lanciert. Warum?

Leider ist der Grundsatz der Hautpflege in der Regel ein falscher. Die gängige Hautpflege richtet sich primär an die Bedürfnisse der Kundinnen (Verminderung von Falten, Poren, Fettglanz und grauen Schatten) und weniger an jene der Haut (Unterstützung der Regeneration, hautidentische Inhaltsstoffe). Um die Bedürfnisse der Haut  in den Fokus der Hautpflege rücken zu können, habe ich meine eigenen Pflegeprodukte entwickelt.

Kann man die Haut auch überpflegen?

Nein. Die Haut verhält sich wie ein Schwamm, der soviel aufnimmt wie er kann. Der Rest verbleibt auf der Hautoberfläche.

Bei ihren Produkten verzichten Sie auf Konservierungs-, Farb- und Duftstoffe sowie Mineralöl, Emulgatoren und Silikone. Warum?

Eine Hautpflege sollte so wenig Chemie wie möglich enthalten, um die Haut nicht unnötig zu belasten respektive anzugreifen. Zudem gelangen zahlreiche chemische Inhaltsstoffe nachweislich über die Haut in den Körper und stehen im Verdacht, gesundheitsgefährdend zu sein. Daher enthalten meine Produkte die genannten Stoffe nicht.

Ihre Linie trägt aber kein Naturkosmetik-Zertifitkat. Wieso?

Da mich persönlich Labels, Mitgliedschaften, Zertifizierungen und so weiter nicht überzeugen, habe ich eine Zertifizierung meiner Produkte nie in Betracht gezogen.

Inwiefern kann die Hautalterung – ernsthaft und langfristig – mit Pflegeprodukten aufgehalten werden?

Die Hautalterung ist genetisch bestimmt und kann daher nicht mit Pflegeprodukten aufgehalten werden. Jedoch kann die Hautgesundheit gefördert werden, so dass Alterserscheinungen weniger deutlich in Erscheinung treten.

Ist demnach eine schöne Haut ab einem gewissen Alter eine Budgetfrage – weil nur mit Eingriffen sichtbare Erfolge erzielt werden?

Ich befürchte, dass vieles im Leben eine Budgetfrage ist, so auch die ästhetische Optimierung der Haut.

Was machen Sie selbst für Ihre Haut?

Ich pflege meine Haut ausschliesslich mit meinen eigenen Produkten, injiziere mir regelmässig meinen selbst entwickelten Mesotherapie-Cocktail* unter die Haut, appliziere ab und zu ein Peeling, esse gern und regelmässig Obst und Gemüse und nehme mir – trotz ausgeprägtem Stress – regelmässig Zeit für Musse und Entspannung, um eine gesunde Balance zu finden.

* dazu heisst es auf Azita Daneshfars Homepage: Mesotherapie ist eine Methode der Medizin, die ursprünglich aus Frankreich kommt. Hierbei werden ausgewählte Wirkstoffe wie Vitamine und Antioxidantien in geringer Dosis in die zu behandelnde Region injiziert. Die Haut wird direkt vor Ort mit dem versorgt, was sie braucht.

 

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