Öl schlürfen für weisse Zähne – bringt das was?

Von Katrin Roth, 16. December 2014

 

Von einem Trend kann beim Ölziehen nicht die Rede sein, schliesslich handelt es sich hier um ein uraltes Ritual aus der ayuvervedischen Medizin. Aber seit tout Hollwood auf allen möglichen Kanälen ein öffentliches Loblied singt auf das tägliche Gurgeln mit Öl, ist das traditionelle Naturheilverfahren aus Indien – Achtung, Schenkelklopfer! – in aller Munde: Als natürliche Medizin gegen Krankheiten wie Migräne, Nierenbeschwerden, Diabetes oder Asthma sowie als sanfte Alternative zum Aufhellen des Gebisses, wie Superstar Shailene Woodley unlängst sagte: «Ölziehen ist unglaublich. Es macht tatsächlich die Zähne weisser

THAT’S WHERE THEY HAD ME: Weisse Zähne!

Nicht etwa, weil ich es mir besonders prickelnd vorstelle, während 15 Minuten einen Teelöffel Öl im Mund hin- und herzuschwenken, um unliebsame Bakterien und Ablagerungen im Rachenraum loszuwerden.

Aber weil es noch viel weniger prickelnd ist, vom eigenen Kind nach dem Grund für die Verfärbung der Beisserchen gefragt zu werden («warum hast Du eigentlich so gelbe Zähne?»), wage ich einen Versuch mit dieser ganz speziellen Form von Mundhygiene, bei der es sich zwar um eine etwas grüslige, ansonsten aber denkbar einfache und echt günstige Methode zur Entgiftung des Körpers handelt.

 

Rund sechs Monate liegt meine Ölzieh-Première mittlerweile zurück, die in meinem Fall natürlich vom schallenden Gelächter der übrigen Familienmitglieder begleitet wurde, ohne dass ich hätte kontern können, weil reden mit Öl im Mund nur schlecht funktioniert, wie sich schnell herausstellte.

 

 
Weitere Erkenntnisse nach einem halben Jahr Ölziehen:

– Man gewöhnt sich daran. Irgendwie.
– Der beste Zeitpunkt zum Ölziehen ist am Morgen direkt nach dem Aufstehen. Unter anderem, weil es in diesem Moment noch kaum Zuschauer gibt.
– Niesanfälle sollten um jeden Preis unterdrückt werden während des Ölziehens. Würkli!
– Damit das Lavabo nicht verstopft, sollten die Überreste per Papiertuch im Haushaltsmüll entsorgt werden. Runterschlucken ist übrigens keine Option, da sonst all die fiesen Bakterien, die vom Öl gebunden wurden, im Körper bleiben. Aber das muss ich ja nicht extra sagen, oder?
– Gemäss diverser Internetberichte funktioniert das Ölziehen grundsätzlich mit jedem Speiseöl. Ich habe mich für Kokosöl entschieden, weil das so fein nach Bounty riecht.
– Ein Bounty zum Frühstück als kulinarischer Follow-up nach dem Ölziehen mit Kokosöl wirkt sich ungünstig aus auf die Silhouette. Am besten, Du fängst gar nicht erst an damit!
– Um einiges figurenfreundlicher und von Experten empfohlen: Zähne putzen zum Abschluss. Womit wir einen idealen Teaser hätten für den Beauty-Test mit der Goldzahnpaste von Swiss Smile, von dem ich Dir schon ganz bald erzählen möchte. Jetzt aber gehen wir noch kurz der Frage nach, ob Ölziehen wirklich die Zähne aufhellt.

 

 

Spoiler-Alert: Nach wie vor braucht niemand in meiner Umgebung einen hochalpinen Sehschutz, wenn ich meine Zähne zeige.

Dennoch würde ich das Experiment mit dem Ölziehen als Erfolg verbuchen, da meine Zähne fünf Jahre nach dem Profi-Bleaching beim Zahnarzt immer noch fast gleich hell sind wie damals: Ein erstaunliches Resultat bei meinem regelmässigen Konsum von Rotwein und Schoggi Kaffee sowie Roibosch-Tee – und für mich ein guter Grund, allen Vorbehalten zum Trotz wie Shailene jeden Morgen einen Teelöffel Öl zu gurgeln.

Vorerst bis auf unbestimmte Zeit. Oder mal sicher, bis ein neuer Hype aus den USA zu uns herüberschwappt.

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